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Gesundheitsmanagement wird verstanden als zielgerichtete Planung und Koordination von Maßnahmen zur Gesundheits- erhaltung, Wiederherstellung der Gesundheit und Verhinderung einer Verschlechterung von Krankheitszuständen. Gesundheitsmanagement zielt darauf ab, die technischen, fachlichen, ökologischen und ökonomischen Ressourcen so effektiv und effizient wie möglich für die Kunden des Gesundheitssystems einzusetzen.
Wissensbasis des Gesundheitsmanagements sind die Gesundheitswissenschaften
Gesundheitswissenschaften versuchen generell die fachlichen Disziplinen Medizin, Soziologie, Psychologie und Ökonomie miteinander zu verknüpfen. In der Vergangenheit haben sich die Gesundheitswissenschaften primär im Rahmen der Ausbil- dungsgänge sogenannter Gesundheitsberufe durchgesetzt, etwa im medizinischen Studium, der Pflegeausbildung, der thera- peutischen Ausbildung, insbesondere Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Psychotherapeuten. Parallel dazu haben sie sich zwischenzeitlich zu einer mehr oder weniger eigenen Disziplin – neben der Medizinischen Soziologie und Medizinischen Psychologie – entwickelt, die sowohl an FH’s als auch an Uni’s etabliert ist.
Das Aufgabengebiet der Gesundheitswissenschaften erstreckt sich von Sozialisationsforschung über Strukturen des Ge- sundheitssystems, Management in Organisationen des Gesundheitswesen, Epidemiologie, Versorgungsforschung, sozial- wissenschaftliche Aspekte der Krankheitsentstehung und des Krankheitsverlaufes, Krankheitsbewältigung, Rehabilitation und Pflege bis hin zum Arzt/ Therapeuten - Patienten - Verhältnis und schliesslich Gesundheit, obwohl letzteres immer noch ein Stiefkind der Gesundheitswis- senschaften zu sein scheint. Die Einzeldisziplinen der Gesundheitswissen- schaften wurden historisch kaum einem Gesamtsystem subsumiert bzw. als genuine Forschungsobjekte der Gesundheitswissenschaften gekennzeichnet.
Die Ausdifferenzierung in Einzeldisziplinen hat dazu geführt, dass Fachwissenschaften wie Ökonomie, Medizin, Gerontologie und Psychologie gesundheitswissenschaftliche Themen besetzen, ohne den interdisziplinären Zusammenhang zu beachten. Aufgabe der Gesundheitswissenschaften sollte es sein, diese Interdisziplinarität zu gewährleisten.
Unzweifelhaft dürfte sein, dass die Gesundheitswissenschaften ihre wissenschaftliche Berechtigung haben, insbesondere dann, wenn Erklärungsansätze (Theorien), Strukturanalysen, Interaktions- und Kommunikationssysteme, Organisationen, Handlungsstrukturen und Handlungsmodelle im Gesundheitswesen analysiert werden. Es ist eben nicht so, dass Krankheits- entstehung und -verläufe bzw. Gesundheit und Gesundheitsverläufe sich auf monokausale Erklärungsmodelle oder medizinisch naturwissenschaftliche Aspekte reduzieren lassen.
Der genuine Objektbereich der Gesundheitswissenschaften ist die Erforschung der Gesundheit mit all ihren Facetten. Die WHO definierte bereits 1946: Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefin- dens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen. Bislang sind die Gesundheitswissenschaften immer noch zu stark auf Erforschung von Krankheit gerichtet.
Der einzuleitende Paradigmenwechsel muss zukünftig die Erforschung von Gesundheit und Gesundheitsverläufen, Prävention, individuelle wie auch gesellschaftliche Risikofaktoren, Gesundheitsförderung und Rehabilitation (medizinisch wie beruflich) und Verhinderung einer Krankheitsverschlechterung in den Mittelpunkt stellen. Ökologische Aspekte der Gesundheit z. B. sind kaum hinreichend erforscht und die individuelle Schuldzuweisungshypothese im Rahmen der Krankeitsentstehung und des Krankheitsverlaufes sollten der Vergangenheit angehören. Dieser Paradigmenwechsel zur Gesundheitsforschung ist aber noch nicht eingeleitet.
Gesellschaftliche und soziale Bedingungen (Arbeitsbedingungen, ökologische Veränderung, soziale Regression, Hartz IV, Arbeitslosigkeit, Angst vor Arbeitslosigkeit, Armut - zwischenzeitlich sind über ein Viertel der Bevölkerung auf das staatliche Unterstützungssystem angewiesen -, usw.) werden immer noch weitgehend aus der Diskussion ausgeblendet. Statt dessen beschäftigt sich die Wissenschaft mit Marginalien wie Antiraucherkampagnen, Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsarmut (wer sich ausruht wird krank), obwohl zwischenzeitlich eindeutig nachgewiesen ist, dass soziale Deprivationen, sozioökonomische Disparitäten (wer arm ist, erkrankt häufiger und stirbt früher) und gesellschaftliche Restriktionen (Zwei-Klassen-Medizin, Streichung von Krankheitsleistungen) einen erheblichen Einfluss auf den Gesundheitszustand haben.
Es ist Zeit, tradierte Denk- und Handlungsmuster im Gesundheitssystem durch Kreativität, Innovationswillen und Flexibilität abzulösen - die Gesundheit und der Patient müssen wieder im Zentrum der Betrachtung stehen.
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