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Die Anwendung der Analytischen Soziologie im Gesundheitswesen (Teil IV) ist selbstevident, gerade vor dem Hintergrund der Interaktionskontexte von Gesundheit und Krankheit. Während beispielsweise rein soziologische Theorien Systeme durch Strukturen und Funktionen zu erklären suchen und dabei die Rückwirkung der Subjekte auf Funktionen und Strukturen vernachlässigen, ist die analytische Soziologie bemüht die Interdepenzen aufzuzeigen. Funktionen und Strukturen sind nicht statisch, sondern dynamisch angelegt, wobei die Dynamik funktioneller Merkmale durch Subjekte forciert wird, d. h. Subjekte füllen die Funktionen aus und modifizieren dadurch auch Strukturen. Hier setzt die analytische Soziologie an, indem sie den Einfluss der Subjekte bzw. die Handlungspielräume von Subjekten analysiert und deren Aktionspotenzial zu erklären sucht.
Die Anwendung der Analytischen Soziologie im Gesundheitswesen intendiert eine Analyse der Funktionen der Behandlung, der Rehabilitation und der Pflege, die jeweils differenziert werden nach ambulantem, teilstationärem und stationärem Versorgungssystem. Die Funktionsebene wird ergänzt durch die Interaktionsebene der Akteure, wobei insbesondere die Rollentheorie und die intersubjektive Kommunikation im Hinblick auf bewußt-intentionale und latente Sinnstrukturen diskutiert wird. Quintessenz dieser Darstellung manifestiert sich in erheblichen Kommunikationsstörungen zwischen Experten und Laien, Kooperationsproblemen zwischen unterschiedlichen Institutionen und defizitärer Koordination von Maßnahmen. Für die Analytische Soziologie zeigt sich gerade auf der Interaktionsebene die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit der handelnden Subjekte im Rahmen systemischer und organisatorischer Funktionen. Explizit reglementierte Funktionen verengen den Handlungsspielraum der professionellen Akteure innerhalb eines Systems, nicht reglementierte Funktionen implizieren intransparente und erweitern subjektive Handlungsspielräume, womit professionelles Handeln weder nachvollziehbar noch kontrollierbar wird, d.h. professionelles Handeln wird auf eine intersubjektive Interaktionsebene (Experten/Laien) verlagert und konterkariert Transparenz im Hinblick auf Effektivität und Effizienz eines Systems.
Diese systemimmanenten Probleme haben dann Auswirkungen auf unrealistische bzw. illusionäre Krankheitsimages, aus denen wiederum subjektive Krankheitstheorien resultieren und Kommunikationsstörungen zwischen Professionellen und Laien geradezu provozieren. Um Kommmunikationsstörungen und Abwehr gegen diagnostische und therapeutische Maßnahmen beeinflussen zu können und die aktive Mitwirkung des Kranken bzw. die Compliance zu fördern, wird die Copingforschung als adäquates Instrumentarium diskutiert. Die Coping-Forschung stellt die adäquaten Instrumente zur Verfügung, die antizipierbare Komplikationen eines Behandlungsprozesses verhindern und den Kranken motivieren können, seinen Gesundungsprozeß aktiv zu gestalten. Dabei wird der kognitive Ansatz durch analytische Elemente ergänzt und weiterentwickelt, zumal der intersubjektive Interaktionskontext durch bewußt-intentionale und latente Sinnstrukturen konstituiert wird.
Damit schließt sich dann der Kreis, in dem die Analytische Soziologie adäquate Strategien für die Analyse eines Objektbereiches gewährleisten kann. Sie ist somit als ein theoretischer Ansatz zu betrachten, der spezifische funktionsabhängige Interaktionskontexte explizit beobachtbar und damit objektivierbar und transparent machen kann (Kutz 2005: Theorie und Anwendungsbereiche der analytischen Soziologie) .
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